27.5.2026
Seit Anfang 2026 ist Stefan Meili CEO von NTP. Nach über vier Jahrzehnten in der Bankenwelt hat er sich bewusst für den Wechsel in ein unabhängiges Schweizer Unternehmen entschieden. Im Gespräch erzählt er, wie er die Umstellung erlebt hat, ob er den eingeschlagenen Weg von NTP weiterführen möchte und weshalb bei NTP bei der Anlagestrategie alle Kundenberater mitreden.
Stefan Meili, nach über 40 Jahren bei der UBS und Credit Suisse haben Sie Anfang des Jahres zu NTP gewechselt. Was war die grösste Umstellung?
Offen gestanden war die Umstellung kleiner, als viele vielleicht denken. Gute Vermögensverwaltung hat für mich, neben der Anlageperformance, immer mit Kundennähe und Vertrauen zu tun – unabhängig von der Grösse eines Unternehmens.
Natürlich gibt es Unterschiede. In einem KMU kann man deutlich schneller entscheiden und Dinge pragmatisch umsetzen. Das gefällt mir sehr. Gleichzeitig arbeitet man mit begrenzteren Ressourcen als in einer Grossbank. Dafür konzentriert man sich stärker auf das Wesentliche.
Was ich besonders schätze: Bei NTP verbringen wir unsere Zeit mit Themen, die für unsere Kunden tatsächlich relevant sind – und nicht mit interner Politik oder komplizierten Prozessen.
Was ist Ihnen seit Ihrem Start bei NTP besonders aufgefallen?
Das grosse Vertrauen der Kunden. In meiner gesamten Laufbahn habe ich nie erlebt, dass ein Unternehmen in diesem Ausmass weiterempfohlen wird. Viele neue Kunden kommen über persönliche Empfehlungen zu uns. Das zeigt, dass unsere Art der Zusammenarbeit den Nerv vieler Menschen trifft.
Woran liegt das?
Ich glaube, dafür gibt es zwei zentrale Gründe: Erstens bleiben die Ansprechpartner langfristig dieselben. Und zweitens verstehen unsere Kunden, was wir tun. Unsere Lösungen sind bewusst übersichtlich, transparent und nachvollziehbar aufgebaut. Das schafft Vertrauen.
Diesen guten Ruf müssen wir pflegen. Deshalb sehe ich meine Aufgabe nicht darin, alles neu zu erfinden.
Welche Werte sind Ihnen persönlich besonders wichtig?
Kundenorientierung und Verlässlichkeit. Für mich bedeutet das vor allem, dass wir unsere Kunden persönlich begleiten und ihre Situation wirklich verstehen. Vermögensverwaltung ist kein standardisiertes Produkt. Jeder Kunde und jede Kundin hat andere Ziele, andere Prioritäten und andere familiäre oder unternehmerische Rahmenbedingungen. Darum ist die langfristige Beziehung so wichtig.
Welche Führungskultur bringen Sie bei NTP ein?
Mir ist unternehmerische Eigenverantwortung sehr wichtig. Gleichzeitig braucht es ein starkes Teamgefühl und gegenseitige Unterstützung. Diese Kultur ist bei NTP stark verankert. Unsere Mitarbeitenden begleiten ihre Kunden seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Die Kontinuität ist ein grosser Mehrwert – sowohl für unsere Kunden als auch für das Unternehmen selbst.
Die Finanzwelt verändert sich laufend. Wird sich unter Ihrer Führung auch die Anlagephilosophie von NTP verändern?
Nein. Es gibt keinen Grund, Bewährtes grundsätzlich zu verändern. Unsere langfristige und konservative Herangehensweise hat sich über viele Jahre bewährt. Der Leistungsausweis zeigt, dass dieser Weg funktioniert, insbesondere über mittel- und langfristige Zeiträume.
Wer trifft die Anlageentscheidungen bei NTP? Sie als CEO?
Nein, auf keinen Fall. Alle unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater sind im Anlageprozess direkt involviert und gestalten die Strategie aktiv mit. Wer unsere Kunden berät, soll hinter den Entscheidungen stehen und sie auch nachvollziehbar erklären können. Dieser offene Austausch zu den Anlageentscheidungen ist aus meiner Sicht eine grosse Stärke von NTP.
Wo entwickelt sich NTP aktuell weiter?
Wir bauen unsere bestehenden Lösungen gezielt weiter aus. Beispielsweise haben wir unser Dividendenmandat sowie Angebote im Bereich Freizügigkeitsgelder erfolgreich erweitert. Neu arbeiten wir auch mit unabhängigen Finanzplanern zusammen. Das ist besonders wertvoll bei komplexeren familiären oder finanziellen Situationen, bei denen zusätzliche Expertise sinnvoll ist. Unsere Kunden erhalten weiterhin alles aus einer Hand und behalten ihre vertrauten Ansprechpartner. Zudem bauen wir in Winterthur unsere erste Niederlassung auf, um die erwähnte Kundennähe weiter zu verbessern.
Wo sehen Sie weiteres Verbesserungspotenzial?
Wir wollen unsere Servicequalität weiter verbessern. Technologisch gibt es diesbezüglich noch Potenzial: Künftig sollen unsere Kunden ihre Mandate über ein digitales Portal noch einfacher und transparenter einsehen können. Digitalisierung soll dabei aber nie die persönliche Betreuung ersetzen, sondern sie sinnvoll ergänzen.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei NTP?
Das Thema beschäftigt auch uns. Gemeinsam mit Studierenden der HSG analysieren wir derzeit verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Bei internen Prozessen oder administrativen Abläufen kann KI helfen, deutlich effizienter zu werden. Die Verantwortung für die Anlageentscheidungen oder gegenüber den Kunden bleibt aber immer bei uns, dem NTP-Team.
Wer sind Sie privat?
Ich bin 59 Jahre alt, Vater von zwei erwachsenen Töchtern und wohne in Hettlingen.
In meiner Freizeit mache ich viel Sport wie Tennis, Golf, Velofahren und Wintersport. Zudem höre ich gerne Musik. Als ich mich vor gut 40 Jahren für eine Lehre entscheiden musste, habe ich mich gefragt, was eigentlich Geld ist und weshalb es die Welt regiert. Diese Frage hat für mich bis heute nicht an Wichtigkeit verloren.
Was ist Ihr persönliches Ziel für NTP in den kommenden Jahren?
Wir wollen uns qualitativ weiterentwickeln, mit Augenmass. Wachstum ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Unsere Philosophie lebt davon, dass wir unsere Kundinnen und Kunden individuell begleiten können. Gleichzeitig möchten wir die nächste Generation innerhalb des Unternehmens gezielt fördern und die Voraussetzungen schaffen, damit NTP langfristig erfolgreich bleibt.
Vielen Dank, Stefan Meili, für das Gespräch.